Du kennst sie wahrscheinlich aus der ein oder anderen ORF-Sendung und von der Moderation des letzten Opernballs vor der Pandemie: Teresa Vogl ist das Gesicht des österreichischen Kulturjournalismus. medien.geil erzählt die 38-Jährige, warum sie doch nicht Opernsängerin geworden ist und wie man seinen Zuseher:innen klassische Kultur – auch wenn sie manchmal sperrig und schwer zugänglich wirkt – schmackhaft macht. 

medien.geil: Du hast 2020 den letzten Opernball vor Corona mitmoderiert, führst deine eigene ORF Beitragsserie “Kultur aus der Vogl-Perspektive” und bist von der österreichischen Kulturlandschaft kaum wegzudenken. Wie hat dein Weg bis dahin ausgeschaut?

Teresa Vogl: Ich habe mich immer schon sehr für Musik und Kultur interessiert, schon immer viel selbst musiziert. Ich habe Instrumente gelernt und gesungen. Mein Lebenslauf schaut etwas zerstückelt aus, letztendlich hat alles genau dorthin geführt, wo ich heute bin. Ich habe sehr früh damit angefangen, für kleine Privatradios zu moderieren. Eigentlich wollte ich Opernsängerin werden und habe auch eine Gesangsausbildung gemacht. Bald habe dann aber gemerkt, dass das nichts für mich ist und dass ich mich auf der anderen Seite – also auf der Seite der Kulturjournalistin – wohler fühle. Ich habe dann bei ORF Niederösterreich Praktika gemacht und durfte sogar ab und zu auch sprechen. Ich habe immer versucht, so viel zu moderieren, wie ich kann. Ich habe auch Werbung gesprochen. Mein Traumjob war immer Ö1 Moderatorin, darauf habe ich hingearbeitet. Mit Mitte Zwanzig habe ich dann ein Praktikum bei Ö1 ergattert und war dort so übermotiviert, dass sie mich danach als freie Redakteurin behalten haben. So bin ich zum ORF und später auch zum ORF Kulturjournalismus gekommen. Alles in allem war es echt viel Arbeit. Von dem ORF Niederösterreich Praktikum zur Moderation des Opernballs war es ein langer und harter Weg.

Foto: Richard Schuster

Man bekommt immer wieder mit, dass der klassische Kulturjournalismus vor allem bei der jungen Generation immer mehr am Aussterben ist. Warum ist das so?

Weil einfach die neuen Präsentationsformen – wie Social Media – nicht genug verwendet werden, um neues Publikum abzuholen. Ich merke einfach, wie ich für meine Arbeit auf Social Media viel mehr Resonanz von jüngeren Menschen bekomme, als für meine Arbeit im Fernsehen. Man muss jedoch auch einsehen, dass das Fernsehpublikum ein älteres ist, als das auf Social Media – das Publikum von klassischer Kultur ist wiederum noch älter. Daher haben junge Menschen wie ich gerade die Verantwortung, klassische Kultur über neue Kanäle wie Instagram an die neuen Generationen zu bringen. Auch in der Kultur gibt es viele Initiativen, um jungen Menschen klassische Kultur schmackhaft zu machen. Seien es Workshops an Schulen, Ermäßigungen für Schüler:innen und Student:innen oder gar Podcasts. Ich glaube schon, dass sich die Kulturhäuser dessen bewusst sind, dass sie mehr junge Menschen ansprechen sollten. Aber man muss sich auch einfach dafür interessieren. Denn auf Biegen und Brechen zu versuchen, die Kultur “cool” zu machen, hilft auch nicht.

Findest du, dass es schwieriger ist, als angehende:r Journo im Kulturjounalismus Fuß zu fassen, als in anderen Sparten dieser Branche?

In der Kultur brauchst du definitiv viel Fachwissen. Als ich jedoch mit Mitte Zwanzig bei Ö1 begonnen habe, war ich auch erstmals damit überfordert, wie viel man im Kulturjournalismus eigentlich wissen muss – obwohl ich mich schon immer extrem viel mit klassischer Kultur auseinandergesetzt habe. Man muss einfach in der Szene unterwegs sein und ein gewisses Vorwissen mitbringen. 

Man muss sich auch einfach dafür interessieren. Denn auf Biegen und Brechen zu versuchen, die Kultur “cool” zu machen, hilft auch nicht.

Am Kulturjournalismus wird vor allem oft kritisiert, dass er schwer zugänglich ist. Wie schaffst du es, Inhalte, die sperrig und hochgestochen formuliert sind, verständlich an den Mann und die Frau zu bringen?

Das gehört einfach zu meinem Job. Mir ist es am wichtigsten, beim Moderieren keinen Vortrag zu halten – ich muss niemanden beweisen, wie viel ich weiß. Ich überlege mir ganz stark: Was bringt dem Publikum etwas? Dem Publikum bringt es nichts, wenn ich eine Biografie eines/r Künstler:in wiedergebe. Das kann nämlich jede:r selbst auf Wikipedia nachlesen. Ich versuche, in jede Moderation Spannung reinzubringen, wie bei einem Artikel. Das A und O für mich beim Moderieren ist, etwas inklusives zu schaffen, damit sich jede:r eingeladen fühlt.

Man muss einfach in der Szene unterwegs sein und ein gewisses Vorwissen mitbringen. 

Was würdest du an der Kulturbranche am liebsten verändern?

Ich finde, dass ich mich doch eher am Rande der Kulturbranche befinde, denn meine Heimat ist mehr die Medienbranche. Ich glaube aber, dass diese Hierarchien in der Kulturszene langsam nicht mehr passend sind. Ich finde es gut, dass sich so viele Kulturbetriebe endlich für neue soziale Medien öffnen. Das lag aber auch an den Corona-Lockdowns, doch das ist eine andere Geschichte.

Was hat sich für dich als Kulturjournalistin während Corona am meisten verändert?

An meinem Job hat sich ehrlich gesagt fast nichts verändert. Mein Kamerateam und ich sind trotzdem mit den Protagonist:innen drehen gegangen, wir mussten einfach viele Sicherheitsvorkehrungen einhalten. Ich war außerdem eine der Privilegierten, die in die Opern- und Theateraufführungen reingekommen ist und für den ORF darüber berichten durfte, was besonders spannend war. 

Welchen Tipp würdest du angehenden Kulturjournalist:innen mitgeben?

Ich würde mir im Kulturbereich so viel anschauen, wie ich nur kann. Wichtig ist es außerdem, in der Szene Leute kennenzulernen. Ich glaube, dass jetzt gerade die perfekte Zeit ist, um mit neuen Online-Formaten einzusteigen. Ich bin überzeugt davon, dass sich kreative Leute am besten durchsetzen können. Und auch die, die sich was trauen. Also: Einfach machen, schreiben, bewerben und versuchen, ein Netzwerk aufzubauen.

Mehr über Teresa:


Teresa Vogl ist 38 Jahre alt gebürtige Niederösterreicherin, verheiratet und Mutter einer Tochter. So sahen ihre journalistischen und akademischen Stationen bisher aus:

  • Studium der Romanistik, Germanistik und Musikwissenschaft in Wien und Paris (Universität Wien: Philosophie und Musikwissenschaft von 2001-2004, nicht abgeschlossen. Universität Wien: Germanistik und Französisch von 2004-2013, abgeschlossen. Sorbonne Université Paris: Französisch 2006/7)
  • Praktika und Moderationen bei kleinen Privatradios (1999-2001)
  • Praktikum beim ORF Niederösterreich (2002)
  • Praktikum bei Ö1 (2009)
  • Freie Mitarbeiterin und später auch Redakteurin bei Ö1 (2010 – 2016)
  • Moderatorin in der TV Kultur des ORF (2016 – jetzt)
  • Moderatorin des Wiener Opernballs (2020)

Teresas Website: www.teresavogl.at

Teresas Instagram: @teresa_vogl

Teresas Showreel:

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf Übernehmen im Banner klickst.

Wer soll unsere nächste #femspiration werden? Lass‘ es uns wissen und nominiere deine favourite Medienfrau entweder via DM auf Instagram an @medien.geil oder per Mail an natalia@medien-geil.at!