Wie werde ich Journalist/Journalistin? Eine Anleitung

Jetzt gebe ich hier tausend Tipps, wie man in den Medien erfolgreich wird aber wir haben noch nie darüber gesprochen, wie man eigentlich Journalist/in wird. Dabei wirst du wahrscheinlich googeln: „Wie werde ich Journalist/Journalistin“. Um ehrlich zu sein gibt es nicht „den einen Weg“ in den Journalismus. Meistens sind es Umwege. Der klassische ist: Irgendwas mit Medien studieren und etliche Praktika absolvieren, dazwischen als FreelancerIn arbeiten und irgendwann hast du dann hoffentlich eine Fixanstellung. Und dann Gehalt verhandeln bis ans Ende deines Lebens haha. Spaß, lasst euch nicht verunsichern, Journalismus ist noch immer der tollste Job der Welt und so könnt ihr ihn ergreifen:

Zuerst mal was studieren

In Wien entscheiden sich Journalismus-Interessierte nach der Matura meistens für „Publizistik und Kommunikationswissenschaft“  an der Uni Wien oder „Journalismus und Medienmanagement“ an der FH Wien der WKW.

Da ich weder das eine noch das andere studiert habe, lass ich hier ein paar angehende JournalistInnen zu Wort kommen, die euch einen kleinen Einblick in ihre Studiengänge geben.

Ein Beitrag zu meinem Werdegang ist schon in der Pipeline und wird dann hier verlinkt 😊

Journalismus an der FH Wien

Sandro, 23, „Journalismus und Medienmanagement“ an der FH der WKW (Bachelor)

„Weil ich meine Fähigkeiten mit einer soliden Ausbildung untermauern wollte, habe ich mich für den Studiengang „Journalismus und Medienmanagement“ an der FH der WKW entschieden. Dort komme ich tagtäglich in Kontakt mit erstklassigen JournalistInnen und Genies aus dem Medienbereich. Der Austausch funktioniert super geschmeidig und auch die Studierenden und ihre kritischen Fragen werden gehört, reflektiert und beantwortet. Bisher fühle ich mich sehr wohl dort und ich glaube, dass ich nach den sechs Semestern meine journalistische Arbeit noch selbstbewusster und effizienter ausüben kann.“

Emir, 28, Journalismus und neue Medien an der FH der WKW“ (Master)

Wie gut siehst du dich durchs Studium vorbereitet?

Ich finde das Studium ist eine sehr gute Basis, die vielen fehlt. Du beschäftigst dich mit Theorie und Praxis von journalistischen Formaten und verstehst sie besser. Mir wollte zum Beispiel in einer anderen Redaktion jemand erklären, was eine Reportage ist und warum ich etwas so nicht schreiben kann, wie ich es getan habe. Die theoretische Begründung war halt leider vollkommen falsch. Und das obwohl das eine sehr erfahrene und kompetente Person war. Wenn du aber schon Wissen dazu hast, kannst du sachlich deine Geschichte und ihren Aufbau argumentieren. Das stärkt dich und deine Geschichten.

Was konntest du lernen, was nicht?

Die Fachhochschule (FH) war für mich ein Türöffner auf so vielen Ebenen. Wieder ein Beispiel: ich dachte immer, dass ich völlig unbegabt in technischen Sachen bin. Auf der Fachhochschule musst du dich aber damit auseinandersetzen. Programmieren, Photoshop und der Umgang mit Kamera und Videoschnitt – das alles musst du mal ausprobieren. Das hat mir zumindest diesen großen Respekt vor Technik genommen, weil das alles gar nicht so schlimm ist. Manche Sachen haben mir dann sogar richtig Spaß gemacht. Ähnliche Beispiel gäbe es auch beim Schreiben und beim Zugang zu Geschichte. Aber das war für mich das wichtigste.

Was konntest du dort nicht lernen?

Wir hatten zwar eine Einführung in Arbeitsrecht, aber ich hätte mir da mehr gewünscht. Ich hätte es zum Beispiel wichtig gefunden, wenn wir uns im Detail Kollektivverträge angeschaut hätten. Oder wenn wir Verhandlungstraining gehabt oder mehr über die Situation und Herausforderungen von freien Journalisten geredet hätten. Das sind alles Sachen, die dein Überleben sichern.

Würdest du es noch einmal so machen?

Manchmal ärgere ich mich, dass ich nicht den Bachelor gemacht habe. Wenn du jung bist, bist du abgesicherter – alleine schon wegen staatlichen Beihilfen. Du kannst dann mehr ausprobieren. Wenn du älter bist, dann musst du einfach mehr ans Geld denken und wie du über die Runden kommst. Aber ich bin sehr froh, dass ich den Master gemacht habe. Wie gesagt, das hat so viel für mich verändert und ich habe wahnsinnig viel gelernt. Ich würde die Erfahrung nicht missen wollen.

Publizistik & Kommunikationswissenschaft an der Uni Wien 

Johanna, 25

„Es gibt die Möglichkeit, durch das Wahlfach Printjournalismus durch Übungen und eine Vorlesung mit zugehöriger Prüfung ein bisschen in den (Print-)Journalismus reinzuschnuppern. Ich hatte damals einen Presseredakteur und einen ehemaligen Profiljournalisten als Dozenten – sie haben beide spannende Einblicke in ihre Arbeit gewährt. Wenn man wirklich in den Journalismus will, reicht das Publizistikstudium nicht – man arbeitet kaum praktisch und wenn nur für die Schublade. Schreiben und sich ausdrücken kann man oder kann man nicht – aber der stetige Zeitdruck als Journalist lässt sich schwer faken. Ideen für Storys mussten wir auch keine entwickeln – wir haben zwar gelernt, was ein Leadtext ist und wie man Überschriften findet, aber das war eine Light-Version des „wirklichen“ Journalismus. Zumindest ein Praktikum bei einer Zeitung oder einem Magazin ist dringend notwendig, um wirklich zu lernen, worauf es beim Journalismus ankommt. Natürlich geben Fächer wie Medienrecht erste Einblicke in relevante Thematiken wie Urheberrecht oder Bildrechte, aber das ist alles (leider) sehr oberflächlich.

Jetzt im Magister habe ich eher das Gefühl mich –  zwar nicht direkt im Journalismus aber in relevanten Fächern wie einer Medienrechtsübung oder Redaktionsmanagement – mehr zu vertiefen. Ich lerne mehr Basics, von denen man gar nicht wusste, dass sie existieren und notwendig sind.“

Šemsa, 23

„Ich habe im Bakk-Studium eigentlich kein einziges Journalismus-Wahlfach gewählt, weil ich anfangs in Richtung PR oder Werbung gehen wollte. Seit meinem ersten Praktikum ist alles anders. Habe aber trotzdem mitbekommen, dass alles extrem wissenschaftlich angelegt war, was in der Praxis einfach wenig bringt. So viel Geschichte, 100 Theorien und Methoden. „Wie schreibt man eine wissenschaftliche Arbeit“/“Wie forscht man wissenschaftlich“ war viel mehr im Fokus. Viel lesen, informiert bleiben, gescheit recherchieren und in kurzer Zeit viel schreiben, lernt man da vielleicht am ehesten.

Im Magister habe ich dann mehr Journalismus Vorlesungen gewählt und muss sagen, dass die Seminare viel nützlicher sind. Wir haben sogar viele Rechtsfächer, die einem in der Praxis weiterhelfen können, Urheberrecht und Arbeitsrecht zB. Die holen auch extrem gute Leute aus großen Medienunternehmen ans Institut. So hört man zumindest mehr über die praktische Arbeit und kann fragen stellen. Beim Seminar von Michael Lang ging es aber trotzdem um Redaktionsmanagement und nicht darum wie man einen guten Artikel schreibt. Das ist glaube ich eine Sache, die man nur in der Praxis lernen kann. Publizistik ist vielleicht eine nette Grundlage für die Medienwelt, aber man kann sicher auch ohne Publizistik mega gute Artikel schreiben bzw. als Journalistin tätig sein. Absolut kein Muss.“

Weitere Studien zu Journalismus/Medien in Wien und Umgebung.

Content-Produktion & Digitales Medienmanagement (Bachelor, FH Wien der WKW)

Medienmanagement (Bachelor, FH St. Pölten)

Information, Medien & Kommunikation (Bachelor, FH Burgenland)

Pro-Tipp: Finde deine Nische!

Ihr werdet ganz oft den Tipp hören: „Spezialisier dich auf etwas!“ Auch Florian Klenk gibt in seiner FH-Sponsionsrede angehenden JournalistInnen den Rat weiterzustudieren.

Der Hintergedanke: Schreiben ist die absolute Voraussetzung für diesen Beruf aber darüber hinaus ist man gut beraten ExpertIn zu einem Thema zu sein.

Praktika, Praktika, Praktika

Ob ihr studiert habt oder nicht: Über die Sache mit den Praktika kommt ihr im Journalismus nicht herum. Da Journalismus ein Handwerk ist, das erlernt aber eben auch angewendet werden muss, müsst ihr Berufserfahrung sammeln. Am besten ist es, ihr sammelt diese bereits während des Studiums. So habt ihr nach eurem Abschluss schon gewisse Job-Erfahrung, die auch den Einstieg erleichtert.

Wie ihr euer Praktikum rockt, lest ihr hier.

Wenn ihr wissen wollte, wie einige der bekanntesten österreichischen JournalistInnen in den Beruf eingestiegen sind, schaut doch mal auf Whatchado.

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